2. Mechanische Veränderungen im Huf

2.1. Zusammenhangstrennung Hornblättchen – Lederhautblättchen

Dabei ist es egal, welcher Theorie der Auslösung der akuten Rehe man nachgeht, ob beispielsweise der der Mangeldurchblutung (Ischämie) oder der enzymatischen Loslösung dieser beiden Schichten voneinander (MMP – Überschießen der Matrix- Metalloproteinasen in der Wandlederhaut) oder anderen, der Effekt ist immer derselbe:

Die innige Verbindung zwischen Wandlederhaut und Hornwand löst sich. Durch die Kräfte, die im Huf und von außen auf den Huf wirken, werden die beiden Schichten mechanisch separiert.

Dies führt in der Regel zu einer

2.2. Positionsveränderung des Hufbeins innerhalb der Hornkapsel

Abhängig von der Ausbreitung der genannten Abtrennung bewegt sich das Hufbein in einer Rotationsbewegung nach „hinten – unten“ (Abrotation) oder in einer Senkungsbewegung geradlinig nach unten (Absenkung).

 

Abrotation des Hufbeins

Absenkung des Hufbeins

Beides, also Abrotation und Absenkung erfolgt in jeweils voller Ausprägung nicht gleichzeitig.
Erkennt man auf Röntgenbildern sowohl eine Rotation als auch eine Senkung, lässt dies normalerweise auf einen bestimmten zeitlichen Verlauf der Ausbreitung der Zusammenhangstrennung schließen. Es muss hier zunächst der dorsale (Zehen-) Wandbereich betroffen gewesen sein.
Entweder hat sich die akute Erkrankung dann auch auf die seitlichen Wandbereiche ausgebreitet, oder die Verbindung in diesen Bereichen wurde mangels korrekter Unterstützung des Hufbeins mechanisch weiter zerstört.

Die Rotation erfolgt aufgrund der einwirkenden Körperlast auf das Hufbein sowie der Spannkraft des Komplexes “Tiefe Beugesehne” bei Belastung der Gliedmaße, dem als Antagonist (=Gegenspieler) hauptsächlich die Verbindung Zehenwandhorn – Wandlederhaut entgegenwirkt. Sowohl die Strecksehne als auch der Fesselträger bieten alleine nicht genug “Gegenspannung”!

Die Rotation des Hufbeins oder auch Abrotation ist dabei aber nicht zu verwechseln mit einer Rotation der Hornkapsel oder Wandrotation!

Im Vergleich zur Rotation des Hufbeins ist der Vorgang der Absenkung zwar simpler, jedoch mit einer sehr viel weitergehenden Schädigung des Hufbeinträgers im gesamten Wandbereich verbunden, was oft außer Acht gelassen wird. Leider ergibt sich aus einer Senkung eine komplexere, meist aufwändigere Behandlung sowie eine insgesamt ungünstigere Prognose.